Der Wohnungsbau wird immer individualistischer und komfortabler
Im Thurgau kristallisieren sich einige Trends im Wohnungsbau heraus.
Werner Fleischmann, Inhaber der Fleischmann Immobilien AG, greift einige interessante Anforderungen
an Immobilien heraus: Komfortorientiert, renditestark, altersgerecht,
energieeffizient, technikgespickt und individualistisch müssen sie sein.
Im vergangenen Sommer hat ein Schweizer Forschungsinstitut im Auftrag des
Hauseigentümerverbandes (HEV) Schweiz eine Befragung bei gut 1000 Stimmberechtigten zum Thema
Wohnen durchgeführt, der Wohnmonitor genannt wird. Eine Erkenntnis daraus: Sowohl die
demographische Entwicklung und die damit einhergehende Zunahme von Rentnern und älteren
Menschen, als auch neuere Lebensformen, wie Patchworkfamilien, Wohngemeinschaften, Single-
Haushalte, Doppel-Verdiener-Familien und vieles mehr, beeinflussen die
Wohnformen.
Vier Wohnformen
Im Wohnmonitor des HEV werden vier Wohnformen mit unterschiedlicher Ausgestaltung,
aber auch einer unterschiedlichen Bewohnerschaft unterschieden: Am häufigsten findet sich
die «Gebrauchswohnung», also Wohnraum mit durchschnittlichem Ausbaustandard, funktional
und mit durchschnittlichem Preisniveau. Am zweithäufigsten wird in der Schweiz eine
«preiswerte Wohnung» mit eher tieferem Ausbaustandard bewohnt. Die dritthäufigste Wohnform
ist die «Genusswohnung». Diese zeichnet sich durch einen überdurchschnittlichen Ausbausstandard,
überdurchschnittlich oft verbunden mit Stockwerkeigentum, eine hohe Exklusivität,
aber auch einen entsprechenden Preis aus. An vierter Stelle geniesst auch die Wohnform
der «Familienwohnung» mit hoher Funktionalität einen gewissen Stellenwert.
Komfortabel und barrierefrei
Der Komfort ist für viele junge Familien, junge Singles und ältere Menschen immer wichtiger.
Technische Errungenschaften erleichtern das Haushalten und machen das Wohnen angenehmer.
Häuser und Wohnungen werden heute auch so konzipiert, dass sie von mehreren
Generationen problemlos genutzt werden können. Barrierefrei wohnt es sich am besten:
Ebenerdige Duschen, schwellenlose Zugänge, sinnvoll geplante Einrichtungen und Armaturen
auf ergonomisch passender Höhe oder durchdachte Beleuchtungsplanung gehören heute laut
Fleischmann bei Neubauten und Sanierungen immer öfter zum Standard. Dadurch wird
Wohnraum zunehmend auch altersgerecht.
Nachhaltige Wohnbauplanung
Interessante Aspekte zu Wohntrends bei lebenserfahrenen Menschen hat Rita Schneider-
Sliwa an der Universität Basel in einer Studie herausgeschält: Es zeigt sich eine klare Absage
an Klein- und Kleinstwohnungen: Rund 90 Prozent der Befragten, immerhin über 2900
Personen, halten weder die intergenerationelle noch die Wohngemeinschaft mit anderen Betagten
für die geeignete Lebensform. Wohnformen, in denen der Raum zu klein ist, um mit
dem Partner zu leben, Gäste zu bewirten und einen eigenen kleinen Haushalt zu bewirtschaften,
sind für Menschen im dritten Lebensabschnitt gemäss der Studie inakzeptabel.
Altersgerechtes Wohnen bedeutet laut Schneider-Sliwa in erster Linie, das Wohnen im Quartier
zu fördern: «Eine sozial nachhaltige, altersgerechte Planung ist daher eine Stadt- und
Quartiersentwicklung mit einem starken Fokus auf der altersgerechten Wohnraumversorgung.
» Werner Fleischmann doppelt nach: «Wohnen im Zentrum und alles in
Fussdistanz, das ist die Zukunft!»
Mehr Qualität und Komfort
Der zunehmende Individualismus präge den Wohnungsbau im Thurgau: Immer mehr Single-
Haushalte, gerade bei Frauen, erforderten neue Wohnungen und durchdachte, individualistische
Planung. Dabei steigen laut Werner Fleischmann die Qualitäts- und Komfortanforderungen.
Immer mehr alleinstehende Menschen oder Paare seien auch bereit, vom eigenen Haus
in eine Wohnung zu wechseln: «Die Nachfrage nach hochwertigen Eigentumswohnungen steigt
massiv.» Die steigende Nachfrage kann aber laut Fleischmann auch noch anders begründet
werden: «Angesichts der Krise auf den Finanzmärkten wird eine Immobilie je länger je mehr
zu einer attraktiven Kapitalanlage mit der Möglichkeit der Steueroptimierung. Zudem sind die
eigenen vier Wände ein optimaler Bestandteil der persönlichen Altersvorsorge.»
Nicht nur für Ökofreaks
Ein weiterer Trend liege in der Energieeffizienz, sagt Fleischmann. Er stellt geradezu einen «sportlichen
Ehrgeiz» fest, wenn es darum geht, erneuerbaren Energien den Vorzug zu geben: «Klar ist,
dass die aktuell hohen Heizöl- und Gaspreise die stärkere Verbreitung von
Alternativenergien begünstigen. Umweltfreundliches Denken ist längst nicht mehr Luxus oder etwas für Ökofreaks.»
Trendig, komfortabel,
barrierefrei und altersgerecht bauen
– im Bild ein aktuelles Beispiel
eines modernen
Bades,
das möglichst vielen
Ansprüchen gerecht wird.
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