Liegenschafts-Suche

Der Wechsel vom Haus in die Eigentumswohnung

06.03.2018
René Künzli, Präsident der «terzStiftung» und Werner Fleischmann wollen neue Wohn- und Lebensformen fördern, generationenverbindend wirken und zu mehr Lebensqualität im Alter beitragen.

Eigeninitiative und Eigenverantwortung schaffen gesellschaftlichen Mehrwert. Das gilt insbesondere mit Blick auf den demografischen Wandel: Die Bevölkerung wird immer älter, neue Wohn- und Lebensformen sind gefragt. Der Immobilienmarkt eröffnet Möglichkeiten.

«Neue Lebens- und Wohnformen nach der beruflichen Aktivzeit sind Herausforderung und Chance zugleich», sagt René Künzli, Präsident und Gründer der «terzStiftung». Werner Fleischmann, Inhaber von Fleischmann Immobilien spürt das in seinem Geschäft besonders deutlich: «Gerade Wohneigentümer setzen alles daran, möglichst lange im eigenen Haus oder der Eigentumswohnung zu leben.» Aufgrund seiner Erfahrungen in der Immobilienvermittlung arbeitet er deshalb mit der «terzStiftung» zusammen, um den Veränderungsprozess in der Gesellschaft positiv mitzugestalten.

Umzug in Eigentumswohnungen

Der gesellschaftliche und demografische Prozess und der Ruf nach verdichteter Bauweise haben den Trend zum Bau von Eigentumswohnungen beflügelt. Besonders deutlich wird das laut Fleischmann daran, dass ältere Hausbesitzer immer häufiger die eigene Haus verkaufen und dafür in eine barrierefreie Eigentumswohnung umziehen. Dieselbe Erfahrung macht Künzli, der deshalb Fleischmann Immobilien als Partner der «terzStiftung» ausgewählt hat, um auf fachlich fundiertes Know-how zurückgreifen zu können: «In meinem Freundeskreis gibt es einige Bekannte, die ihr Haus verkauft und eine Eigentumswohnung gekauft haben. Gerade im Alter zwischen 60 und 70 überlegen sich das viele Menschen. Es ist deshalb wichtiger denn je, verschiedene Alternativen zu prüfen.»

Liquidität schaffen

Man müsse sich nur schon überlegen, was man sich leisten kann, wenn man ein Haus verkaufe und eine Eigentumswohnung als Ersatzinvestition in Betracht ziehe. Er bringt es auf den Punkt: «Man muss Liquidität schaffen.» Darin sieht Fleischmann in der Regel kein Problem, sofern sich das neue Wohneigentum im selben Ort oder an einer Lage mit ähnlichen Grundstückspreisen befindet. Künzli ist es deshalb wichtig, dass seine Mitglieder diese Informationen von Liegenschaftsexperten erhalten: «Sie können aufzeigen, was zum Beispiel bei einem Verkauf oder einem Kauf zu berücksichtigen ist.» Fleischmann weiss aber, dass profunde Abklärungen noch viel weiter gehen müssen. Es sei zum Beispiel hilfreich, wenn die Hypotheken auf der selbst bewohnten Liegenschaft zurückbezahlt worden sind: «Das ist besser für die Tragbarkeit, weil viele nach der Pensionierung mit einem tieferen Einkommen auskommen müssen und deshalb die Bankenvorschriften weniger gut eingehalten werden können.» Natürlich sehe das für Immobilien mit reinem Anlagecharakter etwas anders aus, räumt Fleischmann ein. Künzli ergänzt, dass auch vermietetes Wohneigentum im Alter eine gute, ergänzende Einkommensquelle sein kann – dann nämlich, wenn der Mietertrag deutlich über dem Hypothekarzins liegt.

Neue Wohnformen gefragt

Künzli betont, dass das Altersheim-Modell in seiner ursprünglichen Form nicht mehr existiere. Immer beliebter würden andere Wohnformen, davon einige mit Dienstleistungen, die nur bei Bedarf abgerufen werden können. Er denkt dabei an Siedlungen mit Alterswohnungen oder an Altersresidenzen, bei denen keine Vollversorgung oder Rundum-Betreuung wie in herkömmlichen Altersheimen geboten werde. Interessante Möglichkeiten eröffnen sich zudem seit einigen Jahren mit Alterswohngemeinschaften: Personen mit grossen Liegenschaften finden in ihrem Freundeskreis Bekannte, die mit ihnen zusammenziehen. Künzli weiss um die Besonderheiten solcher «WGs»: «Sie funktionieren vor allem am Anfang gut, wenn man eine klare Kompetenzordnung und Aufgabenverteilung hat. Kritisch wird es aber etwa dann, wenn einzelne Mitglieder sterben und neue hinzugewonnen werden müssen.» Auf dem Markt gibt es mittlerweile sogar betreute Alterswohngemeinschaften, kleine, familiäre Altersheime, die die Eigeninitiative und Eigenverantwortung der Bewohner hoch halten.

«Is Füdli chlüübe»

Eine grosse Gefahr sieht Künzli darin, dass älteren Menschen falsche Anreize geschaffen werden: «Früher war die Nachbarschaftshilfe stärker ausgeprägt. Sie wird leider verdrängt durch institutionelle Angebote, die wichtig und richtig sind, aber in gewissen Lebenssituationen die Unselbstständigkeit fördern.» Als Beispiel erwähnt er hilfreiche Mahlzeiten- oder Waschdienste: «Man gewöhnt sich so schnell daran, und daraus kann schnell eine Überversorgung entstehen, mit der die Abhängigkeit von Dritten in nicht gewünschtem Ausmass relativ schnell steigt.» Deshalb sei er überzeugt, dass solche Systeme zwar gut seien, jedoch limitiert werden sollen: «Mit Preisen oder zeitlichen Beschränkungen kann man Anreize geben, dass Menschen wieder rasch selber Verantwortung übernehmen.» Will heissen: Sie werden ermutigt, wieder selber einzukaufen und selber zu kochen, zu putzen oder sich zu pflegen.» Oder wie Künzli es unverblümt auf den Punkt bringt: «Sie müend sich selber is Füdli chlüübe.» Es sei ihm überdies ein Anliegen, zu sozialen Kontakten zu ermutigen und sich mit Neuem, Anderem auseinanderzusetzen – denn: «Das Leben besteht auch im Alter aus Anspannung und Entspannung.»

Sinn des Lebens spüren

Es sei wissenschaftlich erwiesen, so Künzli, dass Menschen, die keine Aufgaben mehr haben, schneller krank werden. Nach der Pensionierung kämen vermehrt auch Fragen nach dem Sinn des Lebens auf. Deshalb ist er überzeugt: «Die Leute sollen sich engagieren können.» Er ist aber auch überzeugt, dass das erst 1948 festgelegte Pensionsalter von 65 Jahren zwingend überdacht werden muss: Vor Einführung der AHV hätten die Menschen quasi Jahrhunderte «beliebig lange» gearbeitet. Es sei deshalb gar nicht so abwegig, diese künstlich geschaffene Grenze, die nun einige Jahrzehnte stimmig war, zu hinterfragen. Für die Zukunft müsse man ohnehin neue Lösungen finden, um die Altersvorsorge zu finanzieren. Er spricht einerseits von einem «Regenbogensystem», das den schrittweisen Rückzug aus dem Erwerbsleben oder auch andere Aufgaben in der Freiwilligenarbeit gezielt fördert: «Menschen sollen kreativ mitwirken können oder Neues hinzulernen.» Andererseits gelte es im Hinblick auf die Sicherung der Altersvorsorge mit generationenverträglichen Lösungen, komplett neue Wege zu wagen: «Es ist ja klar, dass wir alle älter werden und länger Leistungen der AHV und der Pensionskassen beziehen. Vielleicht wäre es sogar sinnvoll, einfach mal eine Volksinitiative zur Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre zu lancieren.» Er sei sich bewusst, dass die Wirtschaft auch mitziehen muss.

« zurück